Es hat sie schon immer gegeben: Frauen, die in die Phalanx einer weitgehend von Männern dominierten Sportart eingebrochen sind. Doch das, was Marisa Bock bislang erreicht hat, ist in Deutschland einzigartig. Marisa Bock fährt und reitet schnurstracks dem 500. Sieg ihrer Karriere entgegen. Der Name Marisa Bock ist untrennbar verbunden mit der Weltrekordserie von Bentley Sun. Fotos: rud.
Während Rita Drees bei den Amateuren über Jahrzehnte unantastbar gewesen ist, natürlich auch Marion Jauß und Petra Raum sowie Silvia Raspe und Sarah Kube in jüngster Zeit eine Hauptrolle unter den Hobbyfahrern spielen, sind Frauen unter den Profis nach wie vor rar gesät.
Umso beachtlicher ist schon heute die Karriere von Marisa Bock. Die 32-Jährige ist in Sattel und Sulky zuhause und vor allem der mit Abstand siegreichste deutsche Profi weiblichen Geschlechts. Aktuell fährt und reitet sie schnurstracks auf den 500. Erfolg ihrer Laufbahn hin. Am 17. März gewann sie in Straubing ihr 483. Rennen.
Anke Fiegenbaum (heute Mintel) holte vor rund 30 Jahren die Europa-Meisterschaft der Lehrlinge, Ingeborg Faul und die nach wie vor aktive Karin Port-Haagen haben in Bayern jeweils mehr als 250 Rennen gewonnen, die Hamburgerin Birgit Riese saß sogar bei noch einmal 100 Siegen mehr im Sulky. An die Marke von Marisa Bock kommen sie alle nicht heran.
Von Power Lane bis Bentley Sun
Dabei ist es längst nicht nur die reine Siegzahl, die die gebürtige Hamburgerin zur Vorreiterin und zum Vorbild für viele talentierte Nachwuchsfahrerinnen macht. In ihrer Vita stehen mittlerweile satte sieben Trabreit-Championate. Erst am letzten Freitag erhielt sie ihre Urkunde für ihren Titel im Jahr 2012.
Im Sattel führt an ihr kaum ein Weg vorbei, aber auch an der Fahrleine ist die inzwischen über Hamburg, Westdeutschland und Berlin im bayerischen Pliening sesshaft gewordene Enkelin von Sea Cove-Mitbesitzer Karl Bock längst etabliert. „Ich habe so viel Erfolg in diesem Sport gehabt, davon kann man als Frau eigentlich nur träumen“, strahlt die Amazone.
Zu ihren wichtigsten Siegen im Sulky zählt ein Erfolg aus dem September 2004. Damals triumphierte Marisa Bock mit Power Lane in Mönchengladbach in einem Standardrennen. „Das war wie ein Türöffner“, erinnert sie sich und begründet: „Damals war ich beruflich im Traberwesten tätig, wo man mich schon kannte. Doch durch den Erfolg mit Power Lane wurde man auch bundesweit auf mich aufmerksam.“
Auch auf höherer Ebene folgten weitere Treffer. 2008 trumpfte sie in Mariendorf im B-Finale zum Shootingstar-Cup mit keinem anderen auf als Bentley Sun. Jeder Profi hat einen Traber, mit dem er sofort in Verbindung gebracht wird. Spätestens seit der sensationellen Weltrekordserie von 39 Treffen hintereinander ist der Name Marisa Bock für immer untrennbar mit dem des Wallachs.
Platz vier im Jahr 2010
Ihre beste Saison erlebte sie 2010. Dank der Zusammenarbeit mit Roman Matzky und Thorsten Tietz stieß Marisa Bock damals in Sphären vor, die für eine Dame im deutschen Profi-Trabrennsport bis dahin schier undenkbar schienen. Mit 85 ersten Plätzen schoss sie in der Abschlusstabelle an die vierte Stelle. Nur Roland Hülskath, Heinz Wewering und Michael Nimczyk standen in der Top Ten noch vor der erfolgreichsten Protagonistin aller Zeiten.
Marisa Bock war in Deutschland erfolgreich, siegte in Frankreich, gewann in Jägersro mit Input ein Trabreiten – und war auf der Galopprennbahn vorne. Mit dem Wallach Dominican eroberte sie vor mittlerweile sechs Jahren sogar das Geläuf in Dortmund-Wambel.
Nach wie vor macht ihr auch das Galopprennreiten großen Spaß. „Aus zeitlichen Gründen musste ich in den letzten Jahren zwar kürzer treten, aber vielleicht klappt es heuer in München-Riem mit einem Comeback“, hofft sie.
„500 Siege - eine Hammerzahl“
Die Piste in Riem liegt ebenso quasi vor der Tür wie die Trabrennbahn in Dagling. Gemeinsam mit Robert Pletschacher und Bernhard Riedl betreut Marisa Bock in Pliening ein Traber-Lot. Längst ist das „Nordlicht“ in Bayern angekommen. Auch auf den dortigen Bahnen, wo sie am letzten Sonntag (17. März) in Straubing mit Wladimir ein Trabreiten gewann.
Nun sind es noch 17 erste Plätze bis zur gigantischen Zahl von 500 Trabersiegen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass diese Marke noch in diesem Jahr fällt. „Das ist eine Hammerzahl“, strahlt der beste weibliche deutsche Traber-Profi aller Zeiten und merkt an: „Ich hätte nicht im Traum geglaubt, dass ich einmal in solche Dimensionen vorstoßen würde.“
(Ralf Rudzynski für GelsentrabPR)
Postanschrift:
GelsenTrabPark e.V.
Nienhausenstraße 42
45883 Gelsenkirchen
Tel.: +49 209 40 92 - 0
FAX: +49 209 40 92 - 199
e-mail: