Der gestrige Samstag war sein Tag, und der heutige Renntag bei Gelsentrab steht ebenfalls ganz im Zeichen von Willi Rode. Am 2. März wurde der zweiterfolgreichste deutsche Trabrennfahrer aller Zeiten unglaubliche 75 Jahre!
Unglaublich deshalb, weil man ihm dieses Alter wahrlich nicht ansieht, weil man überdies nichts davon merkt, wenn er inzwischen auch wieder selbst im Rennen engagiert ist – und immer noch gewinnt. Sage und schreibe 6.953 Fahrersiege stehen für Willi Rode bislang zubuche. Damit rangiert er in der deutschen Statistik an zweiter Stelle.
Auf eine solche Entwicklung deutete am Anfang seiner Laufbahn, die exakt am 1. April 1954 begann, nicht gerade viel hin. Die Lehrjahre bei Willi Dahmen waren buchstäblich keine Herrenjahre. Viel mehr als sein erster Sieg überhaupt mit Freischärler am 24. November 1954 kam zunächst nicht zustande. Mit dem Wechsel zu Erich Speckmann platzte dann allerdings bei Willi Rode der Knoten.
Zwei „Goldhelme“
„Dort habe ich sehr gute Chancen bekommen“, erinnert sich der Jubilar, der auch bei Eddy Freundt viele Dinge mit den Augen „stahl“ und sich später sogar erfolgreich im Championat der Berufsfahrer mit Freundt messen konnte. 1971 nahm Rode diesem den „Goldhelm“ ab, 1972 errangen Rode und Freundt ihn gemeinsam mit jeweils 287 Fahrersiegen. Hinzu kamen zahlreiche „Silberhelme“, auf die Willi Rode vor allem in den 80er- und 90er Jahren beinahe abonniert war.
Rückblickend waren diese beiden Jahrzehnte die erfolgreichsten seiner Karriere. Immer wieder kehrte er auch mit Lorbeerkränzen in seinen Stall auf der Recklinghäuser Hillerheide zurück. Rund 80 Zuchtrennen hat er alleine als Fahrer gewonnen. Die wichtigsten Siege gelangen in Berlin – im Derby.
Allerdings musste Willi Rode erst 46 Jahre werden, ehe er 1984 mit Athos Duke erstmals im Kampf um das „Blaue Band“ triumphierte. Acht Jahre später saß er erneut im Sulky des Derby-Siegers, der 1992 Rambo Corner hieß. Als Trainer kam 16 Jahre danach ein dritter Erfolg hinzu, als Thomas Panschow und Nu Pagadi die exzellente Vorbereitung im „Rennen der Rennen“ am Mariendorfer Damm glanzvoll umsetzten und Rodes beeindruckende Laufbahn abrundeten.
Immer wieder Brendy
Neben diesen Cracks waren unzählige weitere Top-Pferde in seiner Obhut wie Esbartero, Barton, Sabinette, Lonely, Simone Way, Cecilia (Stuten-Derby-Siegerin 1991) oder im neuen Jahrtausend auch Japa’s Dream (Foto: Sexauer), mit dem Rode sogar in Paris-Vincennes gewann. Doch wohl kein anderes Pferd wird so mit ihm in Verbindung gebracht wie der unverwüstliche Brendy.
Sage und schreibe 78 Rennen gewann der Impish Pride-Sohn, der als erster deutscher Traber die Gewinnsummengrenze von zwei Millionen DM übersprang. Und das, obwohl er ausgerechnet im Finale zum Derby 1987 in der Distanz mit dem Sieg vor Augen aus dem Takt geriet. Doch das Duo Brendy/Rode entschädigte sich gleich reihenweise.
1988 trumpften sie in Mailand im „Gran Premio d’Europa“ auf, belegten drei Jahr später im „Eliteloppet“ einen brillanten dritten Rang, platzierten sich mehrfach im Elite-Rennen und schafften es 1993 im „Prix d’Amerique“ immerhin auf Rang sieben. Und Brendy bescherte seinem Trainer sogar eine Einladung in die „neue Welt“.
Am 8. August 1992 starteten beide im „International Trot“ auf Yonkers Raceway. Brendy war in bestechender Form, aber alle Hoffnungen zerbarsten, als der favorisierte Billyjojimbob für einen Sturz sorgte. Brendy konnte nicht ausweichen, der Traum vom WM-Sieg war geplatzt. Dennoch gewann Rode selbst diesem Trip etwas Positives ab: „Die Reise war trotzdem lohnenswert, denn wann bekommt man denn schon einmal die Chance, mit einem eigenen Pferd in den USA starten zu können?“
Eine traumhafte Karriere
Wer fast 7.000 Rennen als Fahrer und als Trainer sogar beinahe 10.000 Rennen gewinnt, der schaut sowieso auf eine traumhafte Karriere zurück. „Vor allem wenn man bedenkt, woher man kam“, wirft Rode ein und erinnert sich an seine elterliche Landwirtschaft nebst angeschlossener Gastronomie. „Beides wollte ich beruflich nicht machen“, stand für ihn früh fest. Da Rodes Vater einige Pferde nicht nur bei der Arbeit einsetzte, sondern auch zu Trabrennen anspannte, entschloss sich der Filius gleich nach dem ersten Besuch einer Rennbahn, dort sein Glück zu suchen.
Nach fast 60 Jahre im Trabrennsport kann man mit Fug und Recht sagen, dass er es gefunden hat. Selbst eine vierjährige Zwangspause warf ihn nicht aus der Bahn. Am 6. Mai 2012 feierte Rode in Hamburg mit Preussenstern sein Comeback im Rennsulky – natürlich siegreich. „Vor diesem Start war ich sogar nervös“, verrät der Träger des Bundesverdienstkreuzes, dem es etwas mulmig zumute war: „Doch inzwischen fühle ich mich unter all den jungen Fahrern in der Umkleidekabine wohl und habe nach wie vor beim Rennen fahren viel Spaß.“
Für elf Pferde ist Willi Rode auf seiner Ranch in Oer-Erkenschwick auch heute noch als Trainer verantwortlich. Ein Lot, das ihn auslastet: „Das ist von der Anzahl her ein optimaler Bestand. Ich bedanke mich für das Vertrauen der Besitzer.“ Und genau das ist gewiss auch eine Art, einem überragenden Trabrennsportler seine Hochachtung auszusprechen und herzlichst zum 75. Geburtstag zu gratulieren.
(Ralf Rudzynski für GelsentrabPR)
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